Hubert Aiwanger ist tot. Bayerns stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister wurde am Mittwoch, 4. November 2026, leblos in einem Berliner Hotelzimmer gefunden. Er wurde 55 Jahre alt. Was bisher über die Umstände bekannt ist, wer seine Familie ist und wie es bei den Freien Wählern jetzt weitergeht – der Überblick, Stand Samstag, 7. November.

Was über den Tod von Hubert Aiwanger bekannt ist

Aiwanger war für die Eröffnung des Hauptstadtbüros der Freien Wähler in Berlin eingeplant. Den Auftritt sagte er nach Angaben von t-online aus gesundheitlichen Gründen ab. Sein Parteikollege, Bayerns Digitalminister Fabian Mehring, schrieb auf Instagram, er sei am Nachmittag gebeten worden, Aiwanger „krankheitsbedingt“ zu vertreten. Danach war er laut „Bild“ nicht mehr erreichbar. Laut Berliner Polizei wurde er „am frühen Abend“ tot in seinem Zimmer entdeckt. Die Freie-Wähler-Generalsekretärin Susann Enders bestätigte den Tod.

Die Staatsanwaltschaft Berlin und eine Mordkommission des Landeskriminalamts leiteten ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren ein. Laut ZDF ermittelt die Kriminalpolizei in der Regel, wenn eine Person tot aufgefunden wurde und etwa der Notarzt eine ungeklärte Todesursache festgestellt hat. Ziel sei es, „die konkrete Todesursache und den Hergang des Todes herauszufinden sowie ein mögliches Fremdverschulden auszuschließen“, erklärte die Polizei.

Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft das vorläufige Ergebnis der Obduktion mit: Aiwanger starb ohne Fremdverschulden. Weitere gerichtsmedizinische Untersuchungen stehen noch aus. Eine konkrete Todesursache nennen die bisherigen Mitteilungen nicht.

Steckbrief: Hubert Aiwanger

FrageAntwort
Geboren26. Januar 1971 in Ergoldsbach (Niederbayern)
Gestorben4. November 2026 in Berlin, mit 55 Jahren
HeimatRahstorf, Stadt Rottenburg an der Laaber (Landkreis Landshut)
AusbildungDiplom-Agraringenieur (FH Weihenstephan)
ParteiFreie Wähler: Landeschef seit 2006, Bundeschef seit 2010
ÄmterSeit November 2018 Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister in Bayern
PartnerinTanja Schweiger (Freie Wähler), Landrätin des Landkreises Regensburg
KinderZwei Söhne, geboren 2012 und 2016

Wie alt sind die Kinder von Hubert Aiwanger?

Aiwanger lebte mit Tanja Schweiger zusammen. Laut Wikipedia begann ihre Beziehung, nachdem beide bei der Landtagswahl 2008 für die Freien Wähler in den Bayerischen Landtag eingezogen waren. Schweiger ist heute Landrätin im Landkreis Regensburg. Das Paar hat zwei Söhne, laut Wikipedia 2012 und 2016 geboren. Je nach Geburtstag sind sie heute 13 oder 14 beziehungsweise 9 oder 10 Jahre alt.

Weitere Angaben zu den minderjährigen Söhnen machen wir bewusst nicht. Ministerpräsident Markus Söder sprach der Familie sein Mitgefühl aus.

Aiwanger jung: vom Bauernhof in den Landtag

Aiwanger war Sohn eines Landwirts und wuchs mit einem ein Jahr älteren Bruder und einer zehn Jahre jüngeren Schwester in Rahstorf auf. Dort lebte er bis zuletzt. In seiner Jugend war er Vorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung.

  • 1990: Abitur am Burkhart-Gymnasium in Mallersdorf-Pfaffenberg, danach Grundwehrdienst.
  • 1991 bis 1995: Studium der Landwirtschaft an der Fachhochschule Weihenstephan, Abschluss als Diplom-Agraringenieur. Er beteiligte sich an der Bewirtschaftung des elterlichen Hofs mit Milchvieh und Zuchtsauen.
  • 2001: Eintritt bei den Freien Wählern. Ein Jahr später kandidierte er erfolglos für den Stadtrat von Rottenburg.
  • 2006: Wahl zum Landesvorsitzenden der Freien Wähler Bayern, knapp in einer Stichwahl mit 340 zu 322 Stimmen.
  • 2008: Mit 10,2 Prozent führte er die Freien Wähler erstmals in den Landtag und wurde Fraktionschef.
  • 2010: Gründungsvorsitzender der Bundespartei.

Minister, Vize-Regierungschef, streitbarer Politiker

Seit 2018 regieren die Freien Wähler in Bayern mit der CSU. Aiwanger wurde Wirtschaftsminister und Söders Stellvertreter. Bei der Landtagswahl 2023 holte seine Partei mit 15,8 Prozent ein Rekordergebnis, er selbst gewann den Stimmkreis Landshut direkt. Ein Ziel blieb ihm verwehrt: Die Freien Wähler schafften es nie in den Bundestag, auch nicht 2025 mit Aiwanger als Spitzenkandidat.

Bei einer Kundgebung gegen das Heizungsgesetz in Erding im Juni 2023, mitorganisiert von der Kabarettistin Monika Gruber, sagte er, die „schweigende große Mehrheit“ müsse sich „die Demokratie wieder zurückholen“. Das brachte ihm scharfe Kritik ein. Wenige Wochen später, im August 2023, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ über ein antisemitisches Flugblatt aus seiner Schulzeit. Aiwanger distanzierte sich und erklärte, er sei nicht der Verfasser gewesen; nachgewiesen wurde ihm die Autorenschaft nicht. Sein Bruder sagte, er habe den Text geschrieben. Söder beließ Aiwanger trotz Kritik im Amt.

„Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger ist eine absolute Tragödie.“ – Markus Söder auf X

Bundeskanzler Friedrich Merz ließ über Regierungssprecher Stefan Kornelius erklären, er sei „tief betroffen“. Die Bundesrepublik verliere „einen streitbaren Politiker, der leidenschaftlich für seine Überzeugungen eingetreten ist“. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) nannte ihn einen Politiker mit Ecken und Kanten. Söder ordnete Trauerbeflaggung an allen staatlichen Dienstgebäuden an. Im Münchner Prinz-Carl-Palais sollte ab Freitag ein Kondolenzbuch ausliegen.

Wer folgt auf Hubert Aiwanger?

Entschieden ist noch nichts. Die Partei will zunächst trauern, bevor sie über die personelle Neuaufstellung entscheidet. Fraktionschef Florian Streibl sagte, man wolle rasch nach der Beisetzung Klarheit schaffen. In den ausgewerteten Berichten war bis Samstag, 7. November, kein Beisetzungstermin genannt. Der aktuelle Stand laut dpa:

  • Wirtschaftsministerium: Staatssekretär Tobias Gotthardt führt die Geschäfte vorläufig.
  • Bundespartei: Die stellvertretenden Vorsitzenden Manfred Petry und Joachim Streit führen kommissarisch. Der für den 14. November geplante Bundesparteitag soll ins kommende Jahr verschoben werden.
  • Gespräche: Die Vorstandsgremien und die Landtagsfraktion kommen am Wochenende in München zusammen.
  • Namen, die kursieren: Fraktionschef Florian Streibl, Staatssekretär Tobias Gotthardt, Digitalminister Fabian Mehring und Kultusministerin Anna Stolz.

Söder kündigte an, die Koalition fortzusetzen, „in seinem Sinne, in unserem Sinne“. Constantin Wurthmann von der Universität Mainz sagte der dpa, die Lücke zu füllen werde „schwierig bis unmöglich“. Ursula Münch betonte, Aiwanger sei der Einzige in der Partei gewesen, der auch überregional wahrgenommen wurde.

Weitere Politiker-Porträts bei uns: Gregor Gysi, Alexander Schweitzer und die Eltern von Lars Klingbeil.

Quellen