Zum ersten Mal seit der Euro-Einführung 2002 bekommt unser Bargeld ein komplett neues Gesicht – und diesmal reden die Bürger mit. Am 23. Juli 2026 hat die Europäische Zentralbank (EZB) zehn Design-Entwürfe für die nächste Banknotenserie vorgestellt. Zur Wahl stehen zwei völlig verschiedene Welten: berühmte Europäer wie Beethoven und Marie Curie, oder aber heimische Vögel über glitzernden Flusslandschaften. Bis zum 21. September 2026 kann jeder online mitentscheiden. Hier siehst du alle Motive, erfährst, was gleich bleibt, und wie du deine Stimme abgibst.
Die erste große Euro-Renovierung seit 2002
Die aktuellen Scheine mit ihren Fenstern, Toren und Brücken sind seit dem Start des Euro-Bargelds im Jahr 2002 im Umlauf. Die Bauwerke darauf sind bewusst erfunden, damit kein Land bevorzugt wird. Genau diese Ära geht nun zu Ende. Notenbanken tauschen ihre Geldscheine ohnehin alle zehn bis 15 Jahre aus, auch aus Sicherheitsgründen. Der Prozess läuft schon seit fünf Jahren; im Juli 2025 startete ein europaweiter Design-Wettbewerb, aus dem eine unabhängige Fachjury nun zehn Entwürfe ausgewählt hat: fünf pro Thema, jeweils für alle sechs Stückelungen von 5 bis 200 Euro. Das Thema Geld bewegt die Menschen derzeit ohnehin: erst das nostalgische Comeback der Diddl-Maus, dann die Insolvenz beim Polstermöbel-Riesen Himolla – und jetzt das Aussehen unseres Bargelds selbst.
Zwei Welten zur Wahl: Kultur oder Natur
Die zehn Vorschläge verteilen sich auf zwei Themen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Das eine setzt auf große Namen der europäischen Kulturgeschichte, das andere auf die Tier- und Naturwelt des Kontinents. Am Ende gewinnt nur eine der beiden Welten.
Thema 1: „Europäische Kultur“
Hier ziert je eine berühmte Persönlichkeit einen Schein – von der Kunst über Musik und Wissenschaft bis zur Friedensbewegung:
- 5 Euro: Maria Callas, die Jahrhundert-Operndiva
- 10 Euro: Ludwig van Beethoven, der Komponist
- 20 Euro: Marie Curie, zweifache Nobelpreisträgerin
- 50 Euro: Miguel de Cervantes, Schöpfer des „Don Quijote“
- 100 Euro: Leonardo da Vinci, das Universalgenie der Renaissance
- 200 Euro: Bertha von Suttner, Friedensnobelpreisträgerin und Schriftstellerin
Thema 2: „Flüsse und Vögel“
Die zweite Serie kommt ganz ohne Gesichter aus. Aus rund 500 in Europa heimischen Vogelarten haben es diese sechs auf die Entwürfe geschafft – jeder Vogel vor einer Flusslandschaft, auf der Rückseite jeweils eine EU-Institution:
- 5 Euro: Mauerläufer – Rückseite: Europäisches Parlament
- 10 Euro: Eisvogel – Europäische Kommission
- 20 Euro: Bienenfresser – Europäische Zentralbank
- 50 Euro: Weißstorch – Gerichtshof der Europäischen Union
- 100 Euro: Säbelschnäbler – Europäischer Rat und Rat der EU
- 200 Euro: Basstölpel – Europäischer Rechnungshof
Zur schnellen Übersicht, welches Motiv auf welchem Schein landen könnte:
| Schein | Thema „Europäische Kultur“ | Thema „Flüsse und Vögel“ |
|---|---|---|
| 5 € | Maria Callas | Mauerläufer / EU-Parlament |
| 10 € | Ludwig van Beethoven | Eisvogel / EU-Kommission |
| 20 € | Marie Curie | Bienenfresser / EZB |
| 50 € | Miguel de Cervantes | Weißstorch / EuGH |
| 100 € | Leonardo da Vinci | Säbelschnäbler / Europäischer Rat |
| 200 € | Bertha von Suttner | Basstölpel / Rechnungshof |
EZB-Präsidentin Christine Lagarde ordnet die Aktion so ein:
Euro-Banknoten sind mehr als ein Zahlungsmittel – sie sind eine der greifbarsten Ausdrucksformen Europas.
Was gleich bleibt – und was sich ändert
Keine Sorge, dein Portemonnaie muss sich nicht komplett umgewöhnen. Nach heutigem Stand behalten die Scheine ihre gewohnten Nennwerte (5, 10, 20, 50, 100 und 200 Euro), ihre Formate und ihre Leitfarben – vom grauen Fünfer bis zum gelben Zweihunderter. Neu ist vor allem das, was darauf zu sehen ist. Einen 500-Euro-Schein wird es weiterhin nicht geben; er wird seit 2019 gar nicht mehr ausgegeben.
Wichtig für alle, die schon ans Umtauschen denken: Die heutigen Euro-Banknoten bleiben unbegrenzt gültig und laufen noch jahrelang parallel zur neuen Serie. Niemand muss altes Geld hektisch loswerden, denn es verliert keinen Cent an Wert.
So stimmst du bis zum 21. September ab
Das Besondere diesmal: Rund 350 Millionen Menschen im Euroraum dürfen mitreden. Auf der Internetseite der EZB läuft dazu eine öffentliche Online-Umfrage, in der du deine Favoriten bewerten kannst. In wenigen Schritten ist es erledigt:
- Umfrage auf der EZB-Website aufrufen (auf Deutsch verfügbar).
- Die zehn Entwürfe beider Themen in Ruhe ansehen.
- Motive bewerten und den persönlichen Favoriten markieren.
- Rückmeldung absenden – möglich ist das noch bis zum 21. September 2026.
Deine Stimme entscheidet nicht allein, fließt aber echt in den Prozess ein. Details zur Umfrage hat auch die Deutsche Bundesbank zusammengefasst.
Wann kommen die neuen Scheine wirklich?
Geduld ist gefragt. Die Umfrage-Ergebnisse fließen zusammen mit dem Urteil der Fachjury und einer technischen Bewertung in die Entscheidung des EZB-Rats ein, die gegen Ende 2026 fallen soll. Danach wird der Sieger-Entwurf weiter ausgearbeitet, getestet und schließlich gedruckt. In der Praxis heißt das laut Tagesschau: Die ersten neuen Euro-Scheine dürften frühestens 2028 oder 2029 in den Umlauf kommen – und dann Stück für Stück, nicht alle auf einmal.
Ob am Ende Beethovens Blick oder ein Eisvogel aus deinem Geldbeutel schaut, entscheidet sich also in den nächsten Monaten. Zum ersten Mal überhaupt hast du dabei ein Wörtchen mitzureden. Ein kurzer Klick auf der EZB-Seite genügt.