Einer der bekanntesten Polstermöbel-Hersteller Europas gerät ins Wanken: Die Himolla Polstermöbel GmbH aus dem bayerischen Taufkirchen (Vils) hat ein Insolvenzverfahren beantragt. Rund 2.000 Beschäftigte bangen um ihre Zukunft, Kundinnen und Kunden fragen sich, was jetzt mit bestellten Sofas geschieht – und die Nachricht trifft eine Branche, die ohnehin im dritten Krisenjahr in Folge steckt. Was hinter dem sperrigen Begriff „Schutzschirmverfahren" steckt und was er konkret bedeutet, klären wir hier.

Was genau ist passiert?

Himolla hat am 26. Juni 2026 beim Amtsgericht Landshut einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren gestellt. Das Unternehmen zählt zu den größten Herstellern von Polstermöbeln in Europa und produziert an seinem Stammsitz in Taufkirchen (Vils) täglich weit über tausend Sofas, Sessel und Garnituren. Dass ein Name dieser Größe in Schieflage gerät, hat in der Möbelbranche für spürbare Unruhe gesorgt.

Wichtig vorweg: Ein Insolvenzantrag ist nicht dasselbe wie das sofortige Aus. Beim gewählten Verfahren geht es ausdrücklich um Sanierung, nicht um Abwicklung. Der Betrieb läuft nach Unternehmensangaben ohne Einschränkungen weiter – Produktion, Auslieferung und Service inklusive.

Schutzschirmverfahren – warum das kein klassischer Konkurs ist

Das Schutzschirmverfahren ist eine besondere Variante der Insolvenz in Eigenverwaltung. Die bisherige Geschäftsführung bleibt im Amt und behält das Steuer in der Hand, wird dabei aber von externen Restrukturierungsfachleuten und einem gerichtlich bestellten Sachwalter begleitet. Das Unternehmen bekommt einige Wochen Zeit, unter gerichtlichem Schutz einen Sanierungsplan zu erarbeiten – geschützt vor dem Zugriff einzelner Gläubiger.

Anders als beim Regelinsolvenzverfahren übernimmt hier kein externer Insolvenzverwalter das Ruder. Ziel ist es, das Geschäft aus eigener Kraft zu ordnen und fortzuführen.

Für Belegschaft und Kundschaft heißt das zunächst: Die Türen bleiben offen. Ob die Sanierung am Ende gelingt, entscheidet sich erst in den kommenden Monaten.

Rund 2.000 Jobs betroffen – so ist die Lage der Mitarbeiter

Am Stammsitz in Taufkirchen arbeiten rund 850 Menschen, konzernweit sind nach übereinstimmenden Medienberichten etwa 2.000 Beschäftigte betroffen. Ihre Löhne sind über das sogenannte Insolvenzgeld für die Monate Juni, Juli und August zunächst abgesichert. Wie es für die Belegschaft langfristig weitergeht, ist derzeit offen und hängt vom Erfolg des Sanierungskurses ab.

Wie konnte es so weit kommen?

Die Gründe liegen weniger im Unternehmen selbst als im Markt. Genannt werden eine anhaltende Konsumflaute, spürbare Kaufzurückhaltung bei größeren Anschaffungen, hohe Kosten und eine schwache Baukonjunktur. Wer nicht baut oder umzieht, kauft seltener ein neues Sofa. Hinzu kommt aggressive Billigkonkurrenz aus Niedriglohnländern, die den Preisdruck weiter verschärft.

Erst im Juli 2025 war die Investorengruppe Conzima als Mehrheitsgesellschafterin bei Himolla eingestiegen. Rund ein Jahr später steht die Sanierung unter dem Schutzschirm an. Das zeigt, wie schnell sich die Lage in der Branche zuspitzen kann.

Vom Sattler-Handwerk zum Polster-Riesen

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1948 zurück, als Carl Hierl aus der Sattlerei seines Vaters heraus einen Polstermöbelbetrieb aufbaute. 1957 wurde daraus der Markenname Himolla – ein Kunstwort aus „himmlisch, mollig, angenehm". Aus dem Handwerksbetrieb wurde über die Jahrzehnte ein Industrieunternehmen mit internationaler Bekanntheit, dessen Relaxsessel und Funktionssofas in unzähligen deutschen Wohnzimmern stehen.

Ein Muster: Die Möbelbranche in der Dauerkrise

Himolla ist kein Einzelfall. Die deutsche Möbelindustrie setzte 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 15,8 Milliarden Euro um – ein Minus von etwa 3,4 Prozent und bereits das dritte Rückgangsjahr in Folge. Besonders hart trifft es die Polsterhersteller: Im Februar 2026 lag ihr Umsatz um 13,6 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

In den vergangenen Monaten mussten bereits klingende Namen wie Hülsta, König + Neurath und Interlübke Insolvenz anmelden. Dass es auch traditionsreiche Mittelständler hart treffen kann, zeigte zuletzt die Debatte rund um die deutsche Textilikone Trigema und Wolfgang Grupp. Deutsche Marken mit langer Geschichte – von der Möbelmanufaktur bis zum Familienunternehmen wie einst Fielmann – stehen unter Druck wie selten zuvor.

Fakten im ÜberblickDetail
UnternehmenHimolla Polstermöbel GmbH
SitzTaufkirchen (Vils), Bayern
Antrag gestellt26. Juni 2026, Amtsgericht Landshut
VerfahrenSchutzschirmverfahren (Sanierung in Eigenverwaltung)
Beschäftigterund 850 am Stammsitz, ca. 2.000 insgesamt
Gegründet1948 (als Carl Hierl GmbH)
MehrheitseignerConzima Gruppe (seit Juli 2025)

Was bedeutet die Insolvenz für Kunden?

Zunächst einmal Entwarnung im Alltag: Nach Unternehmensangaben läuft der Betrieb normal weiter, Aufträge werden bearbeitet und ausgeliefert. Wer ein Himolla-Sofa besitzt oder bestellt hat, muss also nicht sofort mit Ausfällen rechnen.

Trotzdem gilt in jeder Insolvenzphase ein gewisses Maß an Umsicht. Wer eine größere Anzahlung geleistet hat oder Fragen zu Gewährleistung und Garantie hat, klärt diese am besten direkt mit dem Möbelhändler, bei dem gekauft wurde. Er ist im Zweifel der erste Ansprechpartner und kennt den aktuellen Stand zu Lieferterminen.

Wie geht es weiter?

In den kommenden Wochen soll unter dem Schutzschirm ein tragfähiges Sanierungskonzept stehen. Gelingt es, könnte Himolla gestärkt aus dem Verfahren hervorgehen; scheitert es, drohen einschneidendere Schritte. Eine seriöse Prognose lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht stellen. Sicher ist nur eines: Der Fall Himolla ist ein weiteres Warnsignal für eine Branche, die dringend auf bessere Konsumlaune wartet.

Quellen und weiterführende Informationen: t-online, WirtschaftsWoche, retail-news.de.