Nach mehr als 13 Jahren ist Schluss: Sebastian Lege verlässt das ZDF zum 31. Dezember 2026 und steht ab 2027 exklusiv für die RTL-Gruppe vor der Kamera. Der „besseresser“-Star wirft dem Sender vor, seine Ideen blockiert zu haben, das ZDF widerspricht deutlich. Was beide Seiten sagen, welche Folgen noch laufen und wer der TV-Koch eigentlich ist (Stand: 15. Oktober 2026).
Warum verlässt Sebastian Lege das ZDF?
Dass Lege geht, ist seit Juni bekannt. Damals bestätigte ein ZDF-Sprecher dem Branchenmagazin DWDL: „Der laufende Vertrag endet auf Wunsch von Sebastian Lege am 31. Dezember 2026.“ Der Sender hätte gern weitergemacht, betonte er. Die Gründe blieben zunächst offen. Mitte Oktober hat Lege dann ausführlich nachgelegt, in der „Bild“ und im Podcast „Dr. Riemer“.
Sein Kernvorwurf: Ihm sei die Freiheit abhandengekommen. Erst habe man ihm den Ton vorschreiben wollen, Humor sei zunehmend tabu gewesen. Dann sei es um die Inhalte gegangen:
„Vor zwei Jahren wollte man dann bestimmen, was ich in der Sendung sagen sollte. Ich sollte negative Dinge dramatisieren und aufplustern. Aber ich habe immer gesagt, wir müssen fachlich bleiben.“ (Sebastian Lege zur „Bild“, zitiert nach Joyn)
Lege sagt, er habe mehr über die alltägliche Ernährung erzählen wollen, auch mal positive Beispiele zeigen und lokale Bäcker und Metzger unterstützen. „Das wurde mir vom Sender verwehrt“, sagte er. Er sei „tief frustriert und auch richtig traurig“ gewesen und habe „ein Jahr nicht gut geschlafen“. Geld habe bei dem Wechsel nach Leges Worten keine große Rolle gespielt, berichtet die Volksstimme unter Berufung auf die dpa.
Die Pizza-und-Döner-Idee
Im Podcast nannte Lege ein konkretes Beispiel. Nach mehreren Hundert untersuchten Produkten seien die Möglichkeiten des Formats ausgereizt gewesen. Er habe „mehrmals die Warnfahne geschwungen“. Er habe vorgeschlagen, Alltagsessen wie Pizza und Döner mit moderner Lebensmitteltechnologie vor der Kamera zu verbessern. Das ZDF habe abgelehnt. Bei Vox hieß es dagegen laut Lege: „Cool, mega, das machen wir!“ Daraus wurde „Lege kommt auf den Geschmack“, das er 2023 und 2024 parallel zu seinen ZDF-Sendungen moderierte, wie die Berliner Zeitung zusammenfasst.
Leicht fällt ihm der Abschied nicht. „besseresser“ sei „auch ein Baby von mir“, sagte er. Die Markenrechte bleiben allerdings beim ZDF.
Was sagt das ZDF?
Der Sender weist die Kritik zurück. Den Vorwurf, Leges Formate hätten sich nicht weiterentwickeln können, könne man „nicht nachvollziehen“. Das ZDF verweist auf eine ganze Reihe gemeinsamer Projekte: von „Die Tricks der Lebensmittelindustrie“ über „Lege packt aus“ bis zu „besseresser goes Schule“. Man hätte die Zusammenarbeit gern „zu angemessenen Konditionen“ fortgesetzt.
Lege schildert den Ablauf anders. Er habe dem ZDF mitgeteilt, dass er mit RTL verhandelt. Reagiert habe der Sender erst spät: „Drei Tage vor der Vertragsunterzeichnung mit RTL fragte man mich: ‚Können wir reden?‘ […] Aber die Schere war da schon zu weit auseinander.“ Das ZDF betont seinerseits, es hätte gern verlängert. Fest steht: Der laufende Vertrag endet auf Wunsch von Sebastian Lege am 31. Dezember 2026.
Wann ist Sebastian Lege noch im ZDF zu sehen?
Ganz verschwindet er nicht sofort vom Bildschirm. Zwei Produktionen mit ihm laufen noch:
| Was | Wann |
|---|---|
| „besseresser goes Schule“, 2. Staffel | ab 21. Oktober 2026 |
| „besseresser“-Challenge (mit Lege entwickelt) | ab 9. Dezember 2026 |
| Vertragsende beim ZDF | 31. Dezember 2026 |
| Exklusiv bei der RTL-Gruppe | ab 2027 |
Was RTL konkret mit ihm plant, ist bisher kaum bekannt. Das Vox-Format „Lege kommt auf den Geschmack“ soll weiterlaufen.
Wie geht es mit „besseresser“ weiter?
Das ZDF will die Marke ohne Lege fortführen. Mit dabei: Tim Armann, im Netz bekannt als „brot.mit.ei“. Der 34-Jährige hat seine Kochausbildung im Frankfurter Hotel Villa Kennedy gemacht und hat auf Instagram mehr als 500.000 Follower. Für „besseresser“ stand er bereits viermal vor der Kamera. Eine Sendersprecherin bestätigte im September, Armann werde „das bestehende ‚besseresser‘-Team auch weiterhin ergänzen“, so Joyn mit Verweis auf t-online. Ob er Leges Rolle komplett übernimmt, hat das ZDF offiziell nicht gesagt.
Lege wünscht ihm „wirklich alles Gute und viel Glück“, gibt ihm aber einen Rat mit: „ZDF ist immer noch lineares Fernsehen, und die Schuhe sind noch mal ganz andere, als bei YouTube was zu machen.“
Wer ist Sebastian Lege? Alter, Herkunft, Frau
Sebastian Erich Jochen Lege wurde am 27. Oktober 1978 in Bremen geboren. Er ist also 47 Jahre alt und wird Ende Oktober 48. Aufgewachsen ist er laut Wikipedia im niedersächsischen Achim bei Bremen, als Sohn eines Klempners und einer Textilverkäuferin. Heute lebt er mit seiner Frau in Meerbusch bei Düsseldorf.
Bevor er ins Fernsehen kam, stand er rund 15 Jahre in Profiküchen:
- 1994: Mit 15 beginnt er eine Kochlehre, unter anderem im Parkhotel Grüner Jäger in Verden (Aller).
- Danach: Stationen im Bremer Ratskeller und als stellvertretender Küchenchef bei Arabella-Sheraton.
- 2002: Umzug nach Düsseldorf, Küche im Courtyard by Marriott im Medienhafen.
- 2009: Küchendirektor in einem Fünf-Sterne-Hotel der Nikko-Gruppe.
- Seit 2011: Produktentwickler für die Lebensmittelindustrie. Genau dieses Insiderwissen machte ihn später im Fernsehen glaubwürdig.
Im ZDF tauchte er erstmals als Experte an der Seite von Nelson Müller in „Wie gut ist …?“ auf. Ob das 2012 oder 2013 war, darüber gehen die Angaben auseinander. 2016 bekam er mit „Die Tricks der Lebensmittelindustrie“ seine erste eigene Sendung. 2019 startete „besseresser“ auf YouTube, ab 2021 lief die Reihe auch im linearen ZDF-Programm. Wer mehr über seinen früheren TV-Partner wissen will: Hier steht, woher Nelson Müller kommt.
Was der Wechsel bedeutet
Das ZDF verliert das Gesicht einer Marke, die auch jüngere Zuschauer über YouTube erreicht hat. Lege dagegen fängt bei RTL ohne den bekannten Sendungstitel an, denn „besseresser“ bleibt beim ZDF. Vorher starten noch zwei Produktionen mit ihm: ab dem 21. Oktober „besseresser goes Schule“ und ab dem 9. Dezember die Challenge.
Ein anderer prominenter ZDF-Abschied in diesem Herbst: Per Mertesacker und die Eistonne. Ebenfalls vom Herd ins Fernsehen: der Weg von Frank Rosin.