Der DTM-Lauf am Norisring ist am Samstag, dem 4. Juli 2026, von einem schweren Unfall überschattet worden: Maximilian Paul verlor in seinem Lamborghini die Kontrolle und schlug mit hohem Tempo in den BMW von Kelvin van der Linde ein. Drei Tage später steht die bittere Diagnose fest: Der Dresdner hat sich neben zwei Brüchen im Unterschenkel auch eine Lendenwirbelfraktur zugezogen. Die Saison ist für ihn vorbei.

Was am Norisring passiert ist

Der Unfall ereignete sich in Runde 33 des Samstagsrennens, beim Anbremsen der Grundig-Kehre am Ende der langen Geraden des Nürnberger Stadtkurses. Nach Informationen von Motorsport-Total geriet Paul vermutlich auf einer Ölspur ins Rutschen, die nach Einschätzung des Teams vom McLaren von Timo Glock stammen soll — endgültig geklärt ist die Ursache noch nicht. Sein Lamborghini Temerario GT3 touchierte zunächst die Leitplanke und verlor dabei ein Hinterrad. Danach war nichts mehr zu machen: Der Wagen rutschte ungebremst mit rund 250 km/h in die Fahrerseite von van der Lindes Schubert-BMW.

Das Rennen wurde mit der Roten Flagge unterbrochen, knapp eine Stunde stand der Betrieb still. Nach dem Neustart gewann Nicki Thiim im Comtoyou-Aston-Martin vor Maro Engel (Mercedes) und Arjun Maini (Ford). Es war der erste DTM-Sieg für Aston Martin, doch gefeiert hat an diesem Nachmittag kaum jemand. Zu präsent waren die Bilder aus der ersten Kurve.

Die Diagnose: drei Brüche und eine lange Pause

Zunächst war nur von einem Verdacht auf einen Unterschenkelbruch die Rede. Paul kam ins Krankenhaus und wurde in der Nacht zum Sonntag operiert. Teamchef Gottfried Grasser gab danach erste Entwarnung:

„Den Umständen entsprechend geht es ihm gut."

Am Dienstag bestätigte das Grasser Racing Team dann das ganze Ausmaß der Verletzungen: Wadenbeinbruch, Schienbeinbruch und eine Lendenwirbelfraktur. Die Operation sei gut verlaufen, Paul befindet sich weiter im Krankenhaus, danach steht die Reha an.

Der Unfall in KürzeFakten
Wann & woSamstag, 4. Juli 2026, Norisring (Nürnberg), Runde 33, Grundig-Kehre
BeteiligteMaximilian Paul (GRT-Lamborghini) und Kelvin van der Linde (Schubert-BMW)
Mutmaßliche UrsacheÖlspur auf der Strecke (laut Team vom McLaren von Timo Glock)
Verletzungen PaulWadenbein- und Schienbeinbruch, Lendenwirbelfraktur — operiert
Verletzungen van der LindePrellungen, Krankenhaus schnell wieder verlassen
FolgenSaison-Aus für Paul, van der Linde will am Lausitzring zurückkehren

Warum die Pause so lange dauern wird, erklärt sich aus zwei Gründen. Lendenwirbelfrakturen brauchen in der Regel etwa ein halbes Jahr, bis sie ausgeheilt sind. Und ausgerechnet das linke Bein ist betroffen: Im Lamborghini muss der Fahrer beim Bremsen mehr als 100 Kilogramm Druck auf das Pedal bringen. Gegenüber Speedweek sagte Grasser: „Bis er die Kraft im Bein wieder bekommt, die beim Bremsen nötig ist, wird es dauern." Ein Comeback in dieser Saison gilt damit als so gut wie ausgeschlossen.

Der 26-Jährige aus Dresden meldete sich inzwischen selbst zu Wort und sprach von einem schweren Rückschlag. Sein Lamborghini-Werkskollege Mirko Bortolotti zeigte sich überzeugt, dass Paul als Kämpfer stärker zurückkommen werde.

Wie es Kelvin van der Linde geht

Der Südafrikaner hatte großes Glück im Unglück. Weil der Lamborghini keinen Frontmotor hat, blieb der Einschlag in die Fahrertür glimpflicher als befürchtet: Van der Linde kam mit Prellungen davon und konnte das Krankenhaus schnell wieder verlassen. Auf das Sonntagsrennen verzichtete er trotzdem — laut Teamchef Torsten Schubert wäre „vernünftiges Fahren nicht möglich gewesen". Schon beim nächsten DTM-Wochenende am Lausitzring in zwei Wochen will der BMW-Pilot wieder im Auto sitzen, wie Motorsport-Magazin berichtet.

Was der Crash für die DTM-Saison bedeutet

Für das Grasser Racing Team beginnt jetzt eine doppelte Aufräumarbeit. Das stark beschädigte Auto soll rechtzeitig wieder aufgebaut werden — die Sicherheitszelle blieb intakt, die Kosten trägt das Team selbst. Wer Paul im zweiten GRT-Lamborghini ersetzt, ist noch offen; die Entscheidung fällt gemeinsam mit Lamborghini.

Sportlich reiste Nicki Thiim als großer Gewinner ab: Am Sonntag legte der Däne Pole-Position und den nächsten Sieg nach und führt die Meisterschaft an. Dass beide Fahrer einen derart heftigen Einschlag vergleichsweise glimpflich überstanden haben, spricht zugleich für die Sicherheit der modernen GT3-Fahrzeuge — ein schwacher Trost, aber ein wichtiger.

Für den deutschen Sport ist es die nächste schlechte Nachricht innerhalb weniger Tage, nach dem WM-Aus der Nationalmannschaft und dem Rücktritt von Julian Nagelsmann. Und sie erinnert daran, wie schnell eine Motorsport-Karriere pausieren kann — auch abseits der großen Bühne der Formel 1, über deren Stars wie Max Verstappen sonst die Schlagzeilen laufen.

In Nürnberg waren sich am Ende alle einig, vom Teamchef bis zum Konkurrenten: Ergebnisse können warten. Erst einmal muss der Mann aus Dresden wieder auf die Beine kommen.