Am 29. August 2026 machte Felix Keidel sein erstes Bundesligaspiel. Knapp fünf Wochen später gehört der 23-Jährige von der SV Elversberg zum Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft – und muss sich trotzdem gedulden: Für das Spiel gegen Serbien hat Jürgen Klopp ihn aus dem Spieltagskader gestrichen. Wer ist der Mann, der seine eigene Nominierung für einen Scherz hielt?

Felix Keidel im Steckbrief: Alter, Größe, Verein

MerkmalAngabe
NameFelix Keidel
Geboren14. Juni 2003 in Duisburg
Alter23 Jahre
Größe1,78 Meter
Gewicht70 Kilo (laut Bundesliga-Profil)
PositionDefensives Mittelfeld, Rechtsverteidiger
Starker FußRechts
VereinSV Elversberg (seit Sommer 2025)
Rückennummer43
Vertragbis 30. Juni 2028
VaterRalf Keidel, früherer Profi und U21-Nationalspieler

Geburtsdatum, Größe, Gewicht und Rückennummer nennt das offizielle Bundesliga-Profil. Geburtsort, Vertragslaufzeit und die Angaben zum Vater stehen bei Transfermarkt und Wikipedia.

Warum Klopp ihn gegen Serbien gestrichen hat

Der Auslöser ist eine Regel. Die UEFA lässt pro Spiel nur 23 Spieler auf dem Spielbogen zu, 20 Feldspieler und drei Torhüter. Klopp hatte für die zweite Länderspielwoche 25 Profis berufen. Nico Schlotterbeck fällt mit einer Außenbandverletzung im Sprunggelenk aus, blieben also 24 Spieler für 23 Plätze. Aus der Kaderliste der UEFA für die Partie am Donnerstagabend in München (20.45 Uhr, ZDF) geht hervor, wen es trifft: den Neuling aus Elversberg. Warum die Wahl gerade auf ihn fiel, geht aus der Liste nicht hervor. So berichtet es unter anderem web.de.

Ein schlechtes Zeichen muss das nicht sein. Beim ersten Spiel unter Klopp, dem 1:1 in den Niederlanden, wurde der Hoffenheimer Bambasé Conté gestrichen. Eine Partie später, beim 0:1 gegen Griechenland, gab Conté sein Länderspieldebüt. Am Sonntag (4. Oktober, 20.45 Uhr, RTL) steht in Thessaloniki das Rückspiel gegen die Griechen an. Ob Keidel dann im Kader steht, ist offen.

So erfuhr Keidel von seiner DFB-Nominierung

Die Nachricht kam Mitte September, und zwar nicht vom Bundestrainer. Elversbergs Co-Trainer Mike Frantz holte Keidel vor dem Training in die Kabine. Dessen Reaktion, nachzulesen bei t-online:

„Ich habe erst gefragt, ob er mich verarscht, aber es war dann wahr.“

Kurz darauf rief Klopp selbst an. Keidel siezte ihn höflich und wurde sofort korrigiert. „Er hat mich gefragt, wie es mir geht. Da habe ich gesagt: ‚Mir geht es gut und Ihnen?‘ Da hat er aber direkt gemeint: ‚Ihnen soll ich lassen oder Sie. Ich bin Du oder Jürgen.‘“ Mehr über den Bundestrainer privat steht in unserem Text über Jürgen Klopps Familie.

Zwischen Keidels Bundesligadebüt und der Berufung lagen gerade einmal 19 Tage. Er ist außerdem der erste Spieler in der Geschichte der SV Elversberg, der für die deutsche A-Nationalmannschaft nominiert wurde.

Von Duisburg über Ingolstadt ins Saarland

Geboren ist Keidel in Duisburg, aufgewachsen in Bayern. Die ersten Schritte machte er beim SV Bergheim und bei der SpVgg Unterstall-Joshofen, 2012 wechselte er mit neun Jahren in den Nachwuchs des FC Ingolstadt. Dort blieb er 13 Jahre.

  • 2022: 21 Spiele und fünf Tore für die zweite Mannschaft der Ingolstädter in der Bayernliga.
  • 4. Februar 2023: Profidebüt in der 3. Liga, Startelf beim 1:2 gegen Borussia Dortmund II.
  • Bis Sommer 2025: 82 Drittligaspiele und zwei Tore für den FCI.
  • Saison 2025/26: Wechsel zur SV Elversberg in die 2. Bundesliga. 25 Ligaspiele, davon 13 in der Startelf, ein Tor, zwei Vorlagen. Am Ende steht Platz zwei und der Aufstieg.
  • 29. August 2026: Bundesligadebüt beim 3:2 gegen Bayer Leverkusen.

Sein erstes Bundesligator schoss er beim 4:3 in Mönchengladbach. Auch gegen den FC Bayern (1:2) und beim 0:0 auf Schalke stand er auf dem Platz.

Stammspieler war Keidel in der Aufstiegssaison also noch nicht durchgehend. Das änderte sich erst, als Trainer Vincent Wagner ihn in der Sommervorbereitung vom Außenverteidiger zum Sechser machte. „Felix Keidel ist Zentrumsspieler“, sagte Wagner vor dem Saisonstart. Seitdem spielt er meist neben Lukasz Poreba vor der Abwehr.

Der Vater: Ralf Keidel spielte für Duisburg und Ingolstadt

Als Felix 2003 in Duisburg geboren wurde, spielte sein Vater Ralf Keidel beim MSV. Der gebürtige Würzburger, Jahrgang 1977, spielte von 1995 bis 1997 für den 1. FC Schweinfurt 05, ging als 20-Jähriger zu Newcastle United (ohne dort ein Ligaspiel zu machen) und kam 1999 nach Duisburg. Später folgten Rot-Weiß Oberhausen, LR Ahlen und ab 2006 der FC Ingolstadt, wo er seine Karriere 2013 in der zweiten Mannschaft beendete. Für die deutsche U21 lief er fünfmal auf.

Der Sohn landete also in genau dem Klub, bei dem der Vater seine letzten Profijahre verbrachte. Wie Ralf Keidel die Nominierung aufgenommen hat, erzählte Felix im Interview mit Sky: „Er ist sehr stolz, meine Eltern insgesamt sind sehr stolz – großes Ding.“

Wer sich für Fußballer-Familien interessiert, findet bei uns auch Texte über die Eltern von Florian Wirtz oder die Familie von Nick Woltemade, die beide ebenfalls in Klopps Aufgebot stehen.

Hat Felix Keidel eine Freundin?

Ja, das hat er selbst gesagt. Nach dem Spiel auf Schalke erzählte er laut Sport1, „meine Eltern und meine Freundin haben sich sehr für mich gefreut und sind sehr stolz“. Einen Namen nennt er in dem Bericht nicht, und wir spekulieren hier auch nicht.

Was Klopp in ihm sieht

Auf dem Papier wirkt die Berufung kühn. Vier Bundesligaspiele, keine Europapokal-Erfahrung, ein Marktwert, den Portale auf wenig mehr als eine Million Euro schätzen. Klopp hat aber einen XXL-Kader mit mehr als 40 Spielern zusammengestellt, elf davon ohne Länderspiel. Keidel ist einer von ihnen. Für Keidel sprechen nach einer Analyse von web.de vor allem Tempo, Laufstärke und die Tatsache, dass er auf mehreren Positionen spielen kann.

Welche Rolle ihm der Bundestrainer zugedacht hat, beschreibt Keidel so: „Er hat es noch nicht genau verraten. Aber er meinte, er hat mich bis jetzt nur im Mittelfeld gesehen. Es ist aber auch sehr gut, wenn ich rechts spielen könnte. Deswegen bin ich auf die zwei Positionen erstmal eingestellt.“ Die Position des Rechtsverteidigers gilt beim DFB als offen, weil Joshua Kimmich wieder im Mittelfeld erwartet wird. Für einen laufstarken Allrounder ist das keine schlechte Ausgangslage.

Wie es jetzt weitergeht

Nach dem 1:1 in den Niederlanden und dem 0:1 gegen Griechenland wartet der Nachfolger von Julian Nagelsmann noch auf seinen ersten Sieg als Bundestrainer. Für Keidel zählt erst einmal der Sonntag. Ende September zählte die Sportschau im zweiten Aufgebot neun Spieler ohne A-Länderspiel, darunter die Torhüter Noah Atubolu, Finn Dahmen und Jonas Urbig. Nach Keidels Streichung bleiben für das Serbien-Spiel acht mögliche Debütanten.

„Felix wird nicht der Letzte sein“, hat Elversbergs Trainer Wagner über künftige Nationalspieler aus dem Saarland gesagt. Keidel selbst freut sich nach eigener Aussage „auf jeden Tag beim DFB-Team“.